Der Einfluss des Internets wird stark unterschätzt
Alexander Koerner am 23. June 2008 um 13:55 23 06 2008Das Internet hat sich zu dem mit weitem Abstand wichtigsten Medium für den europäischen Verbraucher entwickelt. Kein anderes Medium beeinflusst die Meinungsbildung und die Kaufentscheidung von Verbrauchern annähernd so stark wie das Internet. Diese Bedeutung des Webs wie auch sein Einfluss auf das Marketing wird von den meisten Unternehmen bislang jedoch stark unterschätzt.
Zu diesen und mehr interessanten Erkenntnissen kommt die ‘Digital Influence Index Study‘ der Marktforscher von HarrisInteractive im Auftrag der PR-Agentur Fleishman Hillard für die rund 5.000 europäische Verbraucher befragt wurden.
Demnach wiegt der Einfluss des Internets in Deutschland (40%) fast doppelt so schwer wie der Einfluss des Fernsehens (22%) und liegt beim rund dreifachen (14%) Wert von Zeitungen bzw. vierfachen (11%) von Zeitschriften. Die Grundlage des Digital Influence Index bildet neben der Konsumdauer übrigens die relative Wichtigkeit die Verbraucher diesem Medium zubilligen.

Neben der Tatsache, dass die Studienergebnisse jedem Verleger von Printpublikationen mehr denn je den Angstschweiss auf die Stirn treiben dürften - immer mehr Verbraucher bevorzugen das Internet als Lieferant aktueller Neuigkeiten - ergeben sich insbesondere für das Marketing interessante neue Erkenntnisse, nämlich welche Entscheidungen durch wen wie und in welchem Ausmaß durch das Internet beeinflusst werden.
Bei der Beantwortung der Frage welches Internetverhalten welchen Einfluss auf das Entscheidungsverhalten ausübt hat das Forscherteam durch Typisierung eine Matrix gespannt, die Marketeers Orientierung und wertvolle Handlungsgrundlage liefert.
Hier wird deutlich, dass von verbrauchergenerierten Inhalten / Social Media bereits erheblicher Einfluss auf das Entscheidungsverhalten ausgeht.
Doch welche Verbraucherentscheidungen unterliegen am stärksten dem Einfluss des Internets? An erster Stelle sind hier die Konsumentscheidungen im Tourismussektor zu nennen. 9 von 10 diesbzgl. Kaufentscheidungen werden durch das Internet beeinflusst. Gefolgt werden diese von hochwertigen Konsumgütern insb. im Bereich der Unterhaltungselektronik. Rund drei viertel aller Befragten gaben an sich bei der Kaufentscheidung ihrer Digitalkamera (81%), ihres Laptops (77%) oder LCD-Fernsehers (74%) auf das Internet verlassen zu haben. Weit über 50% der Befragten ließen sich auch bei Fragen der privaten Finanzplanung (Kreditkarte 62%, Autoversicherung 58%, Altersvorsorge 54%) und bei der Auswahl von Serviceanbietern (Internetanbieter 73%, Mobilfunkanbieter 64%, Elektrizitätsversorger 54%) durch Erkenntnisse aus dem Internet leiten. Entscheidungen im Bereich Gesundheit und Fitness wie auch politische Entscheidungen unterliegen bereits einem erheblichen, jedoch vergleichsweise noch geringerem Einfluss. Hier liegt der beobachtete Wert in der Spitze bei 61% und im Durchschnitt bei 40%.
Besonders aufschlussreich ist die Differenzierung bzgl. des Ursprungs der Information im Internet. Wie viele andere Studien zeigt auch diese, dass sich immer mehr Menschen auf das Urteil anderer Verbraucher verlassen, teilweise Verbrauchererfahrungen bereits der Vorzug bei der Entscheidungsfindung eingeräumt wird. Hier wird es sehr spannend zu beobachten sein, wie sich diese Werte im Zeitverlauf verändern. Die Marktbeobachtungen der letzten 12 Monate lassen jedoch bereits heute den Schluss zu, dass sich das Gewicht kontinuierlich weiter zu Gunsten der Verbrauchererfahrung verschieben wird.
Von dieser Facette der Studie gehen wohl die weitreichendsten Implikationen für Marketingentscheider aus. Da Verbrauchermeinungen und -entscheidungen nun zunehmend Einflüssen unterliegen die nicht ihrer Kontrolle unterstehen. Dies wird das Marketing grundlegend und nachhaltig verändern.
Interessante Zeiten dürften jedoch auch Politikern und Parteien ins Haus stehen. Der hier zu beobachtende Einfluss von Meinungen einzelner Bürger auf die politische Meinungsbildung anderer Wähler wird auch im politischen System seine Fußabdrücke hinterlassen und ein Umdenken einleiten.






